Warum Frauen historisch seltener Ehrendoktorinnen wurden

Ehrendoktorwürden sind öffentliche Auszeichnungen von Hochschulen. Sie wirken nach außen wie ein „Ritterschlag“ durch die Wissenschaft: Wer geehrt wird, gilt als besonders verdienstvoll, einflussreich oder vorbildhaft. Genau deshalb ist interessant, wer über lange Zeit kaum vorkommt.

Historisch wurden Frauen deutlich seltener zu Ehrendoktorinnen ernannt. Das hat nicht „den einen“ Grund, sondern mehrere Schichten: rechtliche Ausschlüsse, fehlender Zugang zu akademischen Karrieren, männlich geprägte Netzwerke, Auswahlpraktiken und ein gesellschaftliches Verständnis von Leistung, das lange Zeit Männer sichtbarer machte.

Historischer Ausgangspunkt: Ohne Zugang keine Ehrung

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war der Zugang von Frauen zu Universitäten im deutschsprachigen Raum stark eingeschränkt und wurde vielerorts erst um 1900/Anfang des 20. Jahrhunderts in der Breite geöffnet. Wer nicht studieren durfte oder nur unter großen Hürden, konnte auch kaum wissenschaftliche Karrieren aufbauen, Professuren erreichen oder akademische Sichtbarkeit gewinnen.

Das ist wichtig, weil Ehrendoktorwürden traditionell häufig an Personen gehen, die entweder selbst wissenschaftlich herausragend sind oder über viele Jahre enge Beziehungen zum Hochschulsystem hatten. Die historische Bildungsbarriere ist deshalb keine Randnotiz, sondern die erste große Ursache dafür, warum Frauen in den klassischen „Ehrenlisten“ lange fehlten.

Der „Pipeline“-Effekt: Weniger Frauen oben, weniger Ehrendoktorinnen

Selbst nachdem Frauen studieren konnten, blieb der Weg nach oben lange schmal. In vielen Ländern zeigt sich bis heute das bekannte Muster: Auf den frühen Stufen sind Frauen zahlreich, an der Spitze deutlich seltener. Für Ehrendoktorwürden ist das besonders relevant, weil Hochschulen sehr oft Personen ehren, die in ihrem Feld als „Spitzenfiguren“ gelten oder Führungspositionen innehatten.

Wenn Frauen historisch seltener Professuren, Institute, Akademien, Rektorate oder große wissenschaftliche Gesellschaften prägten, landen sie automatisch seltener im Blickfeld der Gremien, die Ehrungen vorschlagen. Aktuelle deutsche Daten zeigen zwar Fortschritte, aber auch, dass der Anteil von Frauen in Professuren erst in den letzten Jahren um die 30-Prozent-Marke liegt – bei starken Unterschieden nach Fächern.

Das bedeutet: Über Jahrzehnte war der „Pool“ der in der Wissenschaft sichtbar Mächtigen männlich dominiert.